
Herbst & Winter 26–26
Stille Atemzüge
Zwischen hohen Bäumen, weichem Moos und Vogelgezwitscher kann sich der Körper zu entspannen beginnen, und der Atem wird ruhiger und tiefer. Es ist beinahe so, als würde uns der Wald selbst beibringen, langsamer zu atmen. Die stille Umgebung gibt uns die Möglichkeit, innezuhalten, die Lungen mit Luft zu füllen und die Gedanken eine Weile zur Ruhe kommen zu lassen.
Forschungen bestätigen, dass Waldumgebungen eine entspannende Wirkung auf den Körper haben. Studien haben gezeigt, dass Menschen nach einem Aufenthalt im Wald eine niedrigere Herzfrequenz und weniger Stress aufweisen. Wenn der Stress abnimmt, kann sich auch die Atmung ruhiger und natürlicher anfühlen.
Vielleicht fühlt sich ein Atemzug im Wald deshalb anders an – tiefer, freier und ruhiger. Zwischen den Bäumen erhält der Mensch nicht nur frische Luft, sondern auch einen Moment der Stille, in dem der Körper seinen eigenen Rhythmus wiederfinden kann.
Die Bilder im Katalog wurden in Enbacka und Mossby, Gustafs in Dalarna, aufgenommen.


Ich habe keinen Anfang, an den sich jemand erinnert, nur einen Punkt, an dem ich einst weich genug war, um geformt zu werden. Seitdem hat sich alles um mich gelegt, langsam, eine Schicht nach der anderen.
Ich spüre die Jahre, bevor sie vollendet sind. Der Winter kommt nicht als etwas Neues, sondern als eine Schwere, die ich in meinen Ästen bereits wiedererkenne. Er legt sich in mich, macht mich stiller und hält mich in einer Form, die etwas strenger ist als die des Sommers. Jeder Kreis ein Winter, der nicht verschwand, jede Veränderung ein Sommer, der blieb, jede Schicht eine Erinnerung daran, dass die Zeit nicht an mir vorübergeht, sondern durch mich hindurch.

Sie kommt nicht in Eile.
Ich spüre, wie sie langsamer wird, noch bevor sie mich erreicht,
als würde der Ort selbst das Tempo ihrer Schritte drosseln.
Der Wind bewegt sich durch mich hindurch, wie er es immer tut,
doch nun ist da etwas, das früher nicht da war –
eine Art Stille, die nicht von mir selbst kommt.
Sie legt eine Hand auf meine Rinde.
Sie bleibt nicht lange. Menschen tun das selten.
Doch wenn sie geht, lässt sie
etwas zurück, das nicht körperlich und dennoch nicht völlig abwesend ist.
Ich trage es weiter durch den Wind,
durch die Kälte, durch das wechselnde Licht.
Und ich begreife, dass jede Begegnung, so kurz sie auch sein mag,
zu einer Schicht werden kann, wenn sie lange genug in der Stille danach verweilen darf.

Ich weiß nicht, warum ich stehen bleibe. Nur eine kleine Verschiebung im Schritt, wie wenn der Körper sich vor dem Kopf entscheidet. Ich lege die Hand an den Stamm. Es ist eher ein Impuls als eine Handlung. Die Oberfläche ist uneben, lebendig. Ich bleibe ein wenig zu lange stehen. Nicht, weil ich mich dafür entscheide, sondern weil es sich schwieriger als erwartet anfühlt weiterzugehen. Als wäre die Zeit um mich herum ein wenig zäher geworden, ein wenig weniger geneigt, mich loszulassen.
Und als ich die Hand schließlich wegnehme, geschieht nichts Offensichtliches. Der Baum steht da wie zuvor. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich etwas verschoben hat – nicht in dem, was sichtbar ist, sondern darin, wie ich mich an diesen Ort erinnern werde: wie eine dünne Schicht Stille, die sich irgendwo zwischen dem, was ich erlebt habe, und dem, was ich nicht rechtzeitig verstehen konnte, abgelegt hat.



Ich gehe weiter, aber der Ort lässt mich nicht ganz los.
Der Baum steht noch immer dort, wo er immer gestanden hat.
Und doch fühlt es sich an, als hätten wir eine Stille geteilt,
die über den Augenblick hinausreicht, in dem wir dort standen.
Als hätte dieselbe Zeit sich, nur für einen kurzen Moment,
zwischen uns beiden langsamer bewegt.
Wir gehen beide weiter, jeder auf seine Weise.
Es gibt keine Richtung, die wir teilen,
keinen gemeinsamen Gedanken, an dem wir festhalten könnten.
Doch etwas daran, wie wir in der Nähe des anderen gewesen sind,
lässt die Welt nicht mehr ganz so wirken wie zuvor.
Ein Ort, an dem die Zeit uns nicht voneinander trennt,
sondern uns erlaubt, noch einen Moment lang
im selben stillen Atemzug zu verweilen.


Stille Atemzüge
Kleidung folgt dem Rhythmus des Körpers. Sie bewegt sich, wenn wir uns bewegen, weitet sich beim Einatmen und fällt sanft zurück, wenn die Luft den Körper verlässt. Der Stoff wird wie eine zweite Haut – nah, aber niemals einengend.
Genau wie der Atem braucht der Körper Raum. Nähte, Formen und Materialien schaffen Platz für Bewegung und Ruhe. Die Kleidung wird zu einer Verlängerung des Körpers, wobei jede Falte und jede Bewegung an das Natürlichste erinnert, das wir haben: zu atmen.
Im Zusammenspiel von Körper, Stoff und Luft entsteht ein Gefühl von Freiheit. Die Kleidungsstücke atmen mit dem Menschen – ein, aus, immer wieder.
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